Montag, kurz nach neun. Du öffnest die Insights, weil du wissen willst, was das Reel von Donnerstag gemacht hat. Das mit dem sauberen Schnitt. Das, an dem zwei Leute einen Nachmittag saßen.

Dreihundertvierzig Aufrufe.

Zwei Zeilen weiter im Feed: ein Wettbewerber, hochkant aus der Halle gefilmt, Ton vom Stapler im Hintergrund, kein Schnitt. Und der läuft.

Also machst du, was alle machen. Mehr Hashtags. Noch ein Post am Nachmittag. Dieselbe Grafik, nur größer.

Nur hat niemand an einem Schalter gedreht. Es gibt keinen Algorithmus, der sich letzte Woche geändert hat.

Es gibt vier. Und du spielst auf allen vieren dasselbe Spiel.

Instagram hat nicht einen Algorithmus. Es hat vier.

Adam Mosseri, der Chef von Instagram, sagt das seit Jahren öffentlich und immer wieder: Es gibt getrennte Systeme für Feed, Stories, Explore und Reels. Vier Oberflächen mit vier verschiedenen Aufträgen.

Der Feed ist der Ort, an dem die App dich schon kennt. Konten, denen du folgst. Vorschläge. Werbung. Das System sammelt erst alles ein, was infrage kommt, sortiert raus, was gegen die Richtlinien verstößt — und rät dann, was du gleich tun wirst. Bleibst du hängen? Wischst du das Karussell zu Ende? Likest du? Schreibst du einen Kommentar? Schickst du es weiter? Tippst du aufs Profil?

Aus diesen Vorhersagen wird eine Note. Die Note entscheidet, was oben steht. Und weil sie für jeden Menschen einzeln gerechnet wird, bekommt dein Clip in tausend Feeds tausend verschiedene Noten. Genau so beschreibt Meta es in der Feed-Systemkarte, Stand Ende Juni 2026.

Stories sind Nähe. Wie oft öffnest du die Stories eines Kontos, wie oft antwortest du darauf. Stories sind der falsche Ort, um neue Menschen zu gewinnen. Sie sind der richtige, um die zu halten, die schon da sind.

Explore ist Entdeckung. Fast alles dort kommt von Konten, denen du nicht folgst. Deine Geschichte mit dem Absender ist dünn, also zählt, wie schnell fremde Leute reagieren: liken, speichern, teilen. Popularität wiegt hier schwerer als im Feed.

Reels wollen unterhalten. Auch hier siehst du überwiegend Fremde. Instagram schätzt, ob du bis zum Ende schaust, ob du weiterleitest, likest, die Audio-Seite öffnest. Und die Plattform sagt selbst, was sie schlechter ausspielt: Reels mit Wasserzeichen, anderswo schon gepostete Clips, stumme oder textüberladene Videos.

Deshalb kann derselbe Beitrag im Feed untergehen und in Explore laufen. Nicht, weil dich jemand bestraft. Weil du die Prüfung eines anderen Fachs geschrieben hast.

Vier Oberflächen = vier verschiedene Spiele

Die drei Zahlen, auf die Mosseri immer wieder zeigt

Die Gewichtungen veröffentlicht Instagram nicht. Die wirst du nie sehen. Die Kennzahlen dagegen nennt Mosseri seit 2025 sehr deutlich.

Wiedergabezeit. Bleibt jemand bei dir? Die ersten Sekunden entscheiden. Vorbeiscrollen ist die klarste Absage, die ein Mensch geben kann — ohne ein Wort.

Likes pro Reichweite. Nicht: Wie viele Likes hast du? Sondern: Von allen, die es gesehen haben, wie viele haben gedrückt?

Sends pro Reichweite. Von allen, die es gesehen haben, wie viele haben es einem echten Menschen in die DMs geschoben?

Mosseri ordnet Likes eher der Reichweite bei deinen bestehenden Followern zu. Sends eher der Entdeckung — also den Leuten, die dich noch nicht kennen. Heißt im Klartext: Ein Reel mit wenigen Aufrufen und vielen Sends kann stärker sein als eines, das viele gesehen und niemand weitergegeben hat.

Deine Insights zeigen Aufrufe, Likes, Shares und Wiedergabezeit. Die Verhältnisse rechnest du selbst. Zwei Spalten in einer Tabelle, einmal die Woche, fünf Minuten.

Sends pro Reichweite = Entdeckung

Kommentare stehen in dieser Dreierliste nicht. In der Feed-Erklärung von 2023 taucht „wird jemand kommentieren?“ trotzdem als eine der Vorhersagen auf, neben Like, Weiterleitung, ein paar Sekunden Verweildauer und dem Tipp aufs Profil.

Was du steuerst, ist nicht der Kommentar. Es ist die Antwort. Wer Kommentare stehen lässt, beendet das Gespräch. Wer antwortet, hält es offen.

Antwort im Kommentar = Beziehung, die im Ranking auftaucht

Seit Juni darf der Mensch mitreden

Im Juni 2026 hat Instagram „Your Algorithm“ in den Hauptfeed geholt. Zuerst gab es die Funktion bei Reels, dann bei Explore, jetzt im Feed. Du siehst dort, welche Themen die App dir zuordnet. Und du kannst sie ändern.

Mosseri sagte dazu am 10. Juni gegenüber The Verge, man könne jetzt sehen, welche Themen das System für interessant hält, und sie über die großen Bereiche der App hinweg anpassen. Bisher geht es dabei nur um Themen — an Personen, Stimmungen und Formaten arbeite Instagram noch.

t3n schrieb einen Tag später, dass viele in Deutschland das Icon noch gar nicht sehen. Der Roll-out zieht sich. Wie schon bei Reels kann die Funktion hier deutlich später ankommen als in den USA.

Kein Grund zur Hektik also. Aber ein guter Grund, vorbereitet zu sein.

Denn jahrelang hat das System nur mitgeschnitten, was du tust: Taps, Views, Shares. Sagen konntest du ihm nichts. Genau dieses Gefühl nennt Mosseri als Teil des Unbehagens — dass einem der Feed passiert, statt dass man ihn baut.

Jetzt wird das Interesse sichtbar. Und korrigierbar.

Was heißt das für dich? Es überlebt, was sich in einem Satz benennen lässt. Die Bäckerei, die Brot zeigt. Die Werkstatt, die erklärt, warum die Schraube bricht. Der Handwerksbetrieb, der seinen Dienstag zeigt und nicht „Content“. Ein Account, der alles ein bisschen macht, wird schwerer zu behalten, sobald Menschen Themen streichen dürfen.

Das ist kein Sieg der kleinen Accounts. Es ist ein Vorteil für die klaren.

Themenklarheit = mehr wert als Followerzahl

Was du ab morgen anders machst

Der Hook entscheidet über die Wiedergabezeit. Fang mit Bewegung an. Mit der Frage. Mit dem Schnitt. Nicht mit dem Logo, nicht mit drei Sekunden Markenandacht. Wer in Sekunde eins nichts findet, das ihn hält, ist längst weiter.

Die Send-Frage stellst du vor dem Posten, nicht danach. Würde das jemand seiner Kollegin schicken? Dem Kumpel? In die Azubi-Gruppe? Nützliches wird weitergeleitet. Sehr Spezifisches wird weitergeleitet. Echt Witziges auch. Allgemeines bleibt liegen.

Lade original hoch. Ohne Wasserzeichen, ohne den sichtbaren Abdruck einer anderen Plattform. Instagram sagt selbst, dass es solche Reels schlechter ausspielt. Das ist keine Vermutung aus einem Forum, das steht in der offiziellen Erklärung.

Plan die Antwort mit ein, nicht nur den Post. Erste Stunde, nächster Morgen. Community ist kein Nachklapp — sie liefert Signale, aus denen der Feed rechnet.

Hashtags kaufen keine Reichweite. Sie helfen beim Einsortieren. Fünf treffende beschreiben dich besser als dreißig gehoffte.

Und die unbequemste Zeile zum Schluss: Reichweite ist kein Beweis, dass etwas wirkt. Sie ist die Bühne. Ob jemand bleibt, teilt, schreibt, kauft oder sich bewirbt, steht in ganz anderen Zahlen — wie du die liest, haben wir hier durchgerechnet.

Hook in Sekunde eins = Chance auf Wiedergabezeit

Originalton ohne Wasserzeichen = Chance auf Empfehlung

Wenn du das nächste Mal in die Insights schaust

Manchmal ist die Reichweite nicht weg. Sie ist umgezogen. Aus dem Follower-Feed in die Empfehlung. Aus der Empfehlung zurück in die Stille, weil der Hook nicht getragen hat. Aus Stories, die niemand beantwortet, in einen Feed, der dich danach seltener zeigt.

Starke Accounts haben kein Geheimrezept. Sie spielen auf jeder der vier Oberflächen das Spiel, das dort gespielt wird.

Genau daran arbeiten wir. Wir sind allsocialmedia aus Stuttgart und machen Strategie, Content, Ads und Recruiting aus einer Hand — weil diese vier Dinge dieselben Signale nutzen. Wer Sends produziert, wird entdeckt. Wer entdeckt wird, bekommt Bewerbungen. Und wer weiß, welches Reel organisch trägt, weiß auch, welches Budget verdient.

Wenn du willst, dass jemand mit dir in die Insights schaut und dir sagt, welche der vier Oberflächen du gerade verschenkst: schreib uns. Wenn du erst schauen willst, was wir machen: hier entlang.

Wir versprechen dir keinen Feed, der von allein wächst. Wir bieten dir an, die Systeme zu lesen, statt sie zu fürchten.

Autor: Sören Boockmann

KI-Information: Die im Thumbnail verwendeten Bilder wurden teilweise mithilfe von Künstlicher Intelligenz erstellt und dienen ausschließlich der visuellen Illustration. Sie stellen keine realen Personen, Orte oder Ereignisse dar.